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Fragen die sich bei der Hundeerziehung stellen: Sie trainieren ein paar Wochen mit Ihrem jungen Hund, arbeiten mit ihm am Hindernisparcours und bringen ihm verschiedene Kommandos des Grundgehorsams bei. Da er gute Fortschritte macht, haben Sie den Eindruck, dass sie so langsam zu einem guten Team zusammenwachsen. Nun sagt aber ein Bekannter, Nachbar oder anderer Hundetrainer, das Ihre Arbeit mit Ihrem Hund nichts wert sei, da Sie ihm ja mit Leckerchen bestechen würden. Im Ernstfall würde Ihr Hund ja sowieso nicht gehorchen, weil Sie dann kein Leckerchen parat hätten und er nicht über Strafreiz abgesichert wäre.

Bei der Arbeit mit Hunden kann man verschiedene Motivationsarten einsetzen. Grundsätzlich wird zwischen der „Meide - Motivation“ und positiven Ansätzen zur Motivation unterschieden.


„Die Meide - Motivation“

Bei der Meide - Motivation lernt der Hund, die Reaktion seines Menschen bei Nichtbefolgen des Kommandos zu vermeiden. Er führt seine an ihn gestellte Aufgabe also aus, um einem Strafreiz zu entgehen. Ein Beispiel: Der Hund soll „bei Fuß“ gehen, tut er dies nicht, bekommt er einen scharfen Ruck mit der Leine, und das Kommando wird besonders streng wiederholt „bei Fuß!!!“. Da sich der Hund sowohl vor dem strengen, oft gebrüllten Ton als auch vor dem schmerzhaften Ruck in die Halswirbelsäule fürchtet, versucht er alles, um es dem Menschen Recht zu machen. Die Belohnung ist also das Ausbleiben der Strafe. Einige Trainer glauben nun, dass Hunde nur so zuverlässig lernen könnten. Ich möchte Ihnen von solchen rüden Dressurmethoden dringend abraten. Denn zwei Punkte gibt es hier gründlich zu überdenken:

1. Möchte ich mit meinem Freund auf vier Pfoten wirklich so arbeiten, dass er nur gehorcht, weil er Angst vor mir hat?

2. Haben wir Menschen überhaupt das Recht, einem anderen Lebewesen physische und psychische Schmerzen zuzufügen, um es unserem Willen zu unterwerfen?!


Es gibt verschiedene Untersuchungen und Theorien darüber, dass häufig Menschen, die übermäßig streng mit Tieren arbeiten, im tiefsten inneren Angst vor ihnen haben. Diese Angst erzeugt den Wunsch nach vollkommener Kontrolle.


Zuverlässiger Gehorsam auch ohne Starkzwang und Strafreize

Die Behauptung, einen zuverlässigen Gehorsam könne man nur über den Einsatz von Starkzwangmethoden und Strafreizen erreichen, ist schlichtweg falsch und fachlich inkompetent. Was uns gleich zu einem weiteren Problem bringt: viele Trainer wissen einfach nicht, wie sie es anders machen könnten. Die Verhaltensforschung hat in den letzten Jahren unglaublich viele neue Erkenntnisse hervorgebracht. Erziehungsansätze, Fütterung, Haltungsbedingungen unserer Haushunde mussten auf Grund dieser Erkenntnisse neu überdacht und verändert werden. Wer da nicht zum Umdenken bereit ist und sich ständig fortbildet, hat kaum eine Chance, den Anschluss zu halten.

 

 

Positivmotivation

Kommen wir nun zu der so genannten positiven Motivation. Bei ihr geht es darum, dem Hund eine Art Vertrag anzubieten: „Wenn Du mit mir arbeitest und meine Kommandos befolgst, springt für Dich auch was dabei raus.“ Es wird über

 

1.Futterbelohnung

2. Spielmotivation

3. positive Zuwendung wie Lob, Streicheln und gemeinsame Aktivitäten gearbeitet.

 

Die besten Ergebnisse erhalten Sie, wenn Sie alle Motivationsarten variabel einsetzen. Das bedeutet: mal geben Sie ein Leckerchen, mal spielen Sie mit Ihrem Hund, und manchmal loben und streicheln Sie ihn. Bei der Futterbelohnung möchte ich noch auf die Bemerkung Ihres Nachbarn eingehen, der Hund sei „bestechlich“. Ich mag dieses Wort überhaupt nicht! Wenn ein Mensch den ganzen Monat über arbeiten geht und am Ende des Monats ein Gehalt für diese Leistung bekommt, würde niemand auf die Idee kommen, ihn für „bestechlich“ zu halten. Im Gegenteil – würde dieser Mensch den ganzen Monat arbeiten und sich danach mit einem Lob seines Chefs „Sie sind ein toller Mitarbeiter …!“ zufrieden geben, würde man ihn für eine Idioten halten! Warum wird bei Hunden mit so unterschiedlichem Maß gemessen? Steckt dahinter vielleicht die ewige Sehnsucht des Menschen, ein Lebewesen zu finden, das ihn um seiner selbst willen – und vor allem bedingungslos – liebt? Dann hätte das Ganze sehr viel mit Humanpsychologie und nichts mit Tierpsychologie zu tun.

 

Natürlichste Sache der Welt

Es ist für ein Tier ein vollkommen natürliches Verhalten Handlungen zu zeigen, um lebenswichtige Grundlagen wie zum Beispiel die Nahrungsbeschaffung zu erfüllen. So gesehen ist die Futterbelohnung die natürlichste Sache der Welt. Sie sollten allerdings darauf achten, dass Sie den Hund nicht wahllos mit Leckerchen voll stopfen, sondern ihm wirklich nur für gut erbrachte Leistungen etwas geben. Beim Einsatz der Spielmotivation sollten Sie darauf achten, dass Sie den Anteil an Beutespielen gering halten, um den Hund nicht übermäßig hoch zu powern. Ein Vorschlag: Rufen Sie Ihren Hund mit freundlicher Stimme ins Herankommen mit Vorsitzen, loben Sie ihn schon dann, wenn er auf Sie zukommt. Lassen Sie ihn einen kleinen Moment absitzen, dann beenden Sie das Kommando und lassen Ihren Hund dann spielen.,,,